Am 8. März eines jeden Jahres feiern wir den Internationalen Frauentag als einen Tag, an dem wir daran denken, dass Frauenrechte immer wieder neu erstritten werden müssen. Sie sind das Ergebnis des Kampfes von Generationen mutiger Frauen, die ihre Seele, ihr Herzblut und allzu oft ihr Leben opferten.
Wenn es auch lange Zeit so schien, als ob es – wenn auch nur in kleinen Schritten – voranging mit den Frauenrechten, sehen wir uns heute einem globalen Roll-Back ausgeliefert, der uns erschaudern lässt. Überall auf der Welt werden die kleinen und größeren Errungenschaften, die feministische Bewegungen auf den Weg gebracht haben, in Frage gestellt oder zurückgenommen. Schutzräume werden abgebaut und frauenpolitische Anliegen verlieren an Relevanz. Frauenrechte spielen eine immer geringere Rolle - gerade in Zeiten multipler Krisen.
Dabei sind es seit jeher Frauen, die entscheidend dazu beigetragen haben, Gesellschaften sozialer, gerechter und nachhaltiger zu gestalten. Wo Frauen gestärkt werden, profitieren die Gesellschaften. Wo Frauen entrechtet werden, geraten die Rechte aller Menschen ins Wanken. Der gegenwärtige Roll-Back ist Ausdruck globaler erstarkender autoritärer Strukturen, nationalistischer oder fundamentalistischer Ideologien und eines Weltbildes, das Gleichberechtigung als Bedrohung begreift.
Wir erinnern an die aktuelle Entwicklung in Nordostsyrien (Rojava), ein Beispiel für die Verhandelbarkeit von Frauenrechten im geopolitischen Machtspiel. Es ist noch unklar, inwieweit die geschlechtergerechte Doppelspitze von Frauen und Männern in den Verwaltungsämtern beibehalten werden kann, geschwiege denn, welche großen Einschränkungen von Frauenrechten sich noch im weiteren Prozess abzeichnen werden.
Auch in Deutschland sehen wir uns mit patriarchalen Strukturen konfrontiert, die weit entfernt sind von Geschlechtergerechtigkeit. Der Frauenanteil deutschen Bundestag ist gesunken und von 16 Bundesländern werden lediglich zwei von Frauen geführt. Nur rund jede zehnte Bürgermeisterstelle ist weiblich besetzt. Politische Macht bleibt in Deutschland weiterhin überwiegend männlich.
Der 8. März muss ein Tag des klaren Widerspruchs und der Solidarität sein. Frauenrechte sind Menschenrechte. Sie sind unteilbar, nicht verhandelbar und nicht rückholbar.
Jin Jiyan Azadî
Verein der Eltern aus Kurdistan in Deutschland e.V. (Yekmal)
06. März 2026