Im Jahr 2001 rief die UNO den 20. Juni zum Weltflüchtlingstag aus, um auf das weltweite Leid und die schwierige Situation von Geflüchteten aufmerksam zu machen. Es soll auch daran erinnert werden, dass geflüchtete Menschen ein Recht auf Schutz, Asyl und ein würdevolles Leben haben. Pünktlich zum Weltflüchtlingstag, am 11. Juni, erschien der jährliche Hauptbericht des UN-Flüchtlingshilfswerks, der „Global Trends Report“ über die Fluchtbewegungen des Jahres 2025. Demnach waren 117,8 Millionen Menschen auf der Flucht, davon 39% Kinder.
68% der Geflüchteten leben in Staaten, die durch schlechte bis mittlere wirtschaftliche Verhältnisse gekennzeichnet sind. Gleichzeitig sind die Mittel des UNHCR für Flüchtlingshilfe um 40% auf ca. 3 Milliarden gesunken. Auch die Bundesregierung hat humanitäre Hilfe von 2,23 Milliarden EUR im Jahr 2024 auf jeweils rund 1 Milliarde für 2025 und 2026 gekürzt.
Zudem trat wenige Tage vor dem Weltflüchtlingstag am 12. Juni 2026 das gemeinsame europäische Asylsystem GEAS in Kraft, welches die Zahlen der Geflüchteten in den europäischen Staaten begrenzen sowie Zurückweisungen und Abschiebungen erleichtern soll. Auch Kurdinnen und Kurden sind hiervon in höchstem Maße betroffen.
Zum Weltflüchtlingstag 2026 sehen wir die internationale Solidarität mit Geflüchteten auf dem Tiefststand. Das ist ein Trend, der sich schon seit Jahren andeutet. Er geht einher mit der Schwächung der UNO zugunsten eines „Nationalstaaten first“-Denkens verbunden mit einem Dogmenwechsel in Bezug auf Menschenrechte und Menschenwürde, den wir auch in unserem Alltag und im gesellschaftlichen Miteinander zunehmend beobachten können. Was wir im Kleinen erleben, hat im Großen riesige Ausmaße und trifft die Schwächsten: Kinder, Frauen, Menschen, die von Gewalt, Vertreibung und Verlust betroffen sind. Sie haben keine Stimme und keine Lobby mehr in der globalisierten Welt.
Doch Demokratie bedeutet für uns, dass Menschenrechte nicht relativiert werden dürfen und Schutz vor Verfolgung ein verbindliches internationales Prinzip bleibt. Politische Entscheidungen werden auch daran gemessen, welchen Stellenwert Menschen haben, die in Not sind.
Verein der Eltern aus Kurdistan in Deutschland e.V. (Yekmal)
19. Juni 2026